Jaipur - Geschichte - Sehenswürdigkeiten - Hawa Mahal - Palast der Winde - Amber Palast - Stadt Palast - Das Observatorium von Jaipur - Tiger Fort - Jaigarh Fort - Sanganer und Umgebung

Rajasthan Urlaub in Jaipur

 Hawa Mahal - Palast der Winde - Amber Palast - Stadt Palast - Das Observatorium von Jaipur - Tiger Fort - Jaigarh Fort - Sanganer und Umgebung

Besichtigen Sie die historischen Städte wie Jaipur in Rajasthan !

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Die Hauptstadt Rajasthans, wegen ihrer unzähligen, in Rosarot gehaltenen Bauten auch Pink City genannt, gehört sicherlich zu den sehenswertesten Städten Indiens und verdient mit ihren zahlreichen großartigen Beispielen Kunstschaffens durchaus einen längeren Aufenthalt. 

Geschichte.
Ein Mitglied des Kachwaha-Clans von Gwalior gründete im 11. Jhdt. den Staat Amber. Die gleichnamige Hauptstadt blieb 600 Jahre lang Herrschaftssitz der Kachwahas. Im 16. Jhdt. fürchtete man während einer Staatskrise, den Angriffen benachbarter Fürstentümer ohne einen Bündnispartner nicht gewachsen zu sein. So schloß sich Biharimal als erster der Rajputenfürsten dem Großmoghul Akbar an. Er gab seine Tochter Akbar zu Frau und erntete große Ansehen am kaiserlichen Hof. Sein Sohn Bhagvan Dass (1574 – 89) sowie dessen Nachkommen wurden Generäle des Moghulheeres und Gouverneure verschiedener Provinzen. Mirza Raja Jai Singh (1617 – 67) war wohl der bekannteste unter ihnen. Er diente drei Moghulkaisern: Jahangir, Shah Jahan und Aurangzeb. Mit Unterstützung der Moghule erwarb der Staat Amber mehr und mehr Bedeutung, während andere Rajputenstaaten im Kampf gegen die Moslemherrschaft geschwächt wurden.

Maharaja Jai Singh II (1699 – 1743) gründete nach einem eigens entworfenen Plan am 17. 11. 1727 die neue Hauptstadt Jaipur. Das enge Tal von Amber hatte ein weiteres Ausdehnen der Stadt verhindert, und so war eine Verlegung der Hauptstadt nötig geworden. Außerdem darf man annehmen, daß dem in Studien über Kunst, Architektur und Astrologie versunkenen Jai Singh die Planung und Errichtung einer eigenen Stadt ein hohes Lebensziel gewesen sein muß. Jai Singh, der schon mit 11 Jahren auf den Thron gekommen war – was allerdings in Indien keine Seltenheit war – galt als außerordentlich intelligent.

Seit 1734 waren die Maraten, die ihren Stützpunkt in Ajmer errichtet hatten, eine ständige Bedrohung für die Rajputenstaaten. 1787 schlossen die Fürsten von Marwar und Jaipur ihre Armeen zusammen und besiegten die Marathen bei Tonk. Doch war dieser Erfolg von kurzer Dauer, denn schon vier Jahre später konnten die Sindhias Ajmer zurückerobern. So unterschrieb Maharaj Jagat Singh 1818 das Abkommen mit der Ostindischen Kompanie, um Frieden und Wohlstand zurückzuerlangen. Seine eigenen Interessen, ein sorgloses Leben im Überfluß weiterführen zu können, standen dabei im Vordergrund. Die Unabhängigkeitsbestrebungen, die
in der Mitte des 19. Jhdts. einsetzten, waren für die Maharajas ebenso unbequem wie für die Briten. Beide Parteien sorgten daher vereint für die Unterdrückung dieser Bewegungen. In den Weltkriegen unterstützte Jaipur die Truppen Englands. So kämpfte der Maharaja selbst als Major beim Lifeguards-Regiment 1943 in Italien.

Am 30. März 1949, zwei Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung, gab Jaipur seine Autonomie auf und schloß sich dem neugebildeten Staat an. Für den friedlichen Anschluß an den Bundesstaat erhielt die Fürstenfamilie zunächst eine Abfindung. 1974 wurden jedoch die Maharajas von Indira Gandhi enteignet. Die heutige Maharani – am Titel hält die Familie fest – ist als Politikerin tätig. Sie wohnt in einem für Fremde nicht zigänglichen Teil des Palastes und unterhält noch eine Dienerschaft, die mit ihrer Uniform sogleich im Stadtbild Jaipurs auffällt.

JAIPUR – STADT DER RAJPUTEN
Noch in Jahre 1947 zeigte Landkarte Indien als Mischung aus rosafarbenen Streifen, ,,British India“, und einigen kleinen Flecken, die ,,Fürstenstaaten“. Während British India direkt von der fremden Kolonialmacht verwaltet wurde, waren die Fürstenstaaten der britischen Eroberung entgangen. Zwar nahmen die Briten starken Einfluß auf die Politik der Fürstenstaaten, dennoch konnten sie ihrem Stadtcharakter nichts anhaben. Sidney und Beatrice Webb, die 1912 Indien besuchten, hoben in ihren Reiseberichten die Individualität dieser kleinen Staaten hervor, die im Vergleich mit den formlosen, von den Briten verwalteten Städten angenehm auffiel. Heute verschwimmen die Unterschiede zusehends, da alle Städte mit den Problemen galoppierender Urbanisierung zu kämpfen haben. Die königlichen Hauptstädte haben an Symbolcharakter verloren, dafür aber an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen. In vielen Städten, so auch in Jaipur, ist die Bevölkerung noch immer auf die Wahrung ihrer Individualität bedacht. Unterstützung findet sie dabei im Tourismus, dem besten Verbündeten des Traditionalismus.

Malerische Schönheit zeichnet fast alle Städte Rajasthans aus. Jaipur ist dabei von ganz besonderem Interesse, spiegelt es doch Sawai Jai Singhs Begeisterung für kosmische Ordnung wider, Die Stadt wurde nach dem mandala-Modell, basierend auf einem Gittermuster mit neun Planquadraten, erbaut, das sich von den Mogulstädten mit ihren radial von einer Zitadelle ausgehenden Achsen unterscheidet.

Rajasthans Städte haben die Herausforderung eines Lebens in einer extremen Klimazone angenommen und über die Jahrhunderte hinweg verschiedene ,,Überlebenstechniken“ perfektioniert. Die Paläste von jaipur, Amber. Samode und Alwar sind von Menschenhand geschaffene Oasen, in denen sandiges Ödland von einem frühen Pflanzenkleid überzogen und gleißendes Sonnenlicht von jail-Steinwerk sanft gefiltert wird. Moderne Technologien leiten das Wasser der Punjab-Flüsse nach Rajasthan und verwandeln die Wüste allmählich in fruchtbares Land.

Ein Ausflug in die Umgebung von Jaipur macht deutlich, wie die herrlichen Gesteinsformationen des Hügellandes durch rücksichtslosen Raubbau in den vergangenen Jahren zerstört wurden. Umweltschützern ist es in den letzten 25 Jahren gelungen, Indiens Wald-und Artenschwund zu verlangsamen, wenn auch nicht ganz zu stoppen. Mit Siliserh, Sariska, Ranthambhore und Keoladeo Ghana erstreckt sich östlich von Jaipur ein Gebiet von ungewöhnlich reicher Fauna und Flora.

Weites Tigerland und ruhige Wasserstreifen verbinden heute die Städte der Yamuna-Ebene mit den Siedlungen in der Wüste, zu der Jaipur das Eingangstor bildet.

DIE STADT DES SAWAI JAI SINGH
Aus dem Land der Festungen und Paläste, Tempel und Mausoleen sticht Jaipur, die ,,Rosarote Stadt“, wegen ihrer einmaligen Architektur besonders hervor. Im 18. Jahrhundert errichtet, symbolisiert Jaipur die Träume und Wünsche des visionären Königs Jai Singh und seines genialen Hofbaumeisters Vidyadhar.

Schon im zarten Alter von zwölf Jahren wurde Jai Singh 1700 nach dem Tod seines Vaters im fernen Afghanistan zum Herrscher von Amber gesalbt. Jai Singh war ein frühreifes Kind mit erstaunlichen Kenntnissen in Politik, Religion, Literatur, Mathematik und Astronomie. Den Titel Sawai erhielt er von dem alten Mogulherrscher Aurangzeb, als er kaum 15 Jahre alt war. Um die Titelverleihung rankt sich eine amüsante Legende. Der mißtrauische Kaiser Aurangzeb wollte nicht, daß der jüngere Herrscher Jai Singh sich in Amber aufhielt und schickte ihn deshalb in den Kampf gegen die Marathen auf dem Dekkhan. Als Jai Singh sich weigerte, in den Krieg zu ziehen, beschnitt Aurangzeb seinen Rang und ließ Jai Singh zu sich bringen. Die Legende will es nun, daß der Kaiser die Hände seines Gefangenen ergriff und zu wissen verlangte, was jai Singh zu tun gedachte, um sein Leben und sein Königreich zu retten. Der junge Bursche antwortete unerschrocken. daß er erwarte, vom Kaiser geschützt zu werden, der seine Hände genauso hielt, wie es ein Bräutigam mit seiner Braut Kurz vor der Hochzeit täte. Dem Kaiser imponierte die Schlagfertigkeit des Jungen Jai Singh und er bemerkte, daß der Rajputen-Königs-sohn wahrlich nicht nur eine ,,halbe Portione“ sei. Er setzte Jai Singh wieder in sein Amt ein und verlieh ihm den Titel Sawai, ,, ein und ein Viertel (Portion)“. Seitdem tragen alle Kachchwaha-Herrscher diesen Titel.

Nach dem Tod Aurangzebs 1707 wurde das Leben für Sawai Jai Singh um vieles schwerer. Der neue Kaiser Bahadur Shah war dem jungen König nicht gerade wohlgesonnen, hatte doch Jai Singh im Erbstreit um den Thron Bahadur Shas Bruder, Azam Shah, unterstützt. Nach der Deportation Jai Singhs aus Amber fiel die Stadt seinem jüngeren Bruder Vijay Singh zu. Es war vor allem verletzter Stolz, der den gestürzten Rajputen Herrscher vor der Resignation bewahrte. In weniger als zehn Jahren wurde Jai Singh nicht nur König eines stärkeren und wohlhabenderen Amber, sondern auch der bedeutendste aller Rajputen-Herrscher. Dank seines Einflusses gelang es Jai Singh, den von ihm favorisierten Mohammed Shah Rangila auf den Moguln-Thron in Delhi zu setzen.

Schließlich verfügte jai Singh über genügend Zeit und Mittel, um seinen eigenen Interessen und Neigungen nachzugehen. Gelehrte, Dichter, Maler, Astronomen und Künstler strömten aus allen Landesteilen zusammen, um Jai Singh ihre Dienste anzubieten. Amber konnte immer weniger die wachsenden Bedürfnisse des anspruchsvollen Herrschers befriedigen. Jai Singh träumte von einer neuen Stadt, die seinen Namen tragen würde. Glücklicherweise mußte er nicht lange nach einem begabten Architekten suchen, der seine Wunschträume in die Tat umsetzen konnte. Vidyadhar Chakravarti, ein niederer bengalischer Beamter, hatte für Amber, Jaigarh und Nahargarh bereits raffinierte Bewässerungsanlagen geschaffen und damit sein Können als Baumeister unter Beweis gestellt. Sein Entwurf für eine weiträumige Stadt südlich des Nahargarh-Kamms fand sofort die Zustimmung seines Auftraggebers.

Die Gründung der Stadt geht auf einen religiösen Akt zurück, den der berühmte Gelehrte Jagannath Samrat am 18. November 1727 vollzog. Innerhalb von fünf Jahren verwandelte Vidyadhar Sanddünen, hügelige Dschungellandschaften, feuchtes Sumpfland und fünf kleine Dörfer, die in diesem Gebiet langen, in eine spektakuläre Stadt mit breiten, geraden Straßen, ordentlichen Häuserreihen, wundervollen Tempeln und offenen Plätzen, die alle von starken Befestigungen gesichert wurden. So wie Jai Singh es sich gewünscht hatte, wurde die Stadt Sawai Jaipur getauft.

Als Sawai Jai Singh den Wunsch äußerte, in der Nähe des Tempels seiner Lieblingsgöttin Govinda Deva zu Wohnen, baute Vidyadhar den Chandra Mahal-Komplex mit dem siebenstöckigen Mondpalast und unzähligen Innenhöfen am Südrand des Jai Niwas Bagh. Die Palastanlage nimmt mit ihren öffentlichen Gebäuden, dem Observatorium, den zenana mahals (Harems) und den 52 Büroräumen ein Siebtel der der Stadtfläche ein. Jaipur ist in sieben rechteckige Sektoren, den chaukris, eingeteilt und wird von einem Netz von Straßen, Avenunen und kleinen Gassen durchzogen.

Die sieben Hauptverkehrsadern der Stadt werden auf jeder Seite von einer gleichen Anzahl von Geschäften von gleicher Größe und gleichem Zuschnitt gesäumt. Für wohlhabende Bürger, Händler und Feudalherren (thakurs) entstanden unter Vidyadhars Regie herrliche Wohngebiete mit beeindruckenden havelis (Herrenhäuser). Ganz nach Plan wurden religiösen Einrichtungen sowie Handels-und Gewerbeniederlassungen, Märkten und Fabriken bestimmte Stadtsektoren zugewiesen. Die dem Stadtbegründer nachfolgenden Herrscher, Sawai Madho Singh I., Pratap Singh, Ram Singh II., Madho Singh II. und Man Singh II., verwendeten äußerste Sorgfalt auf alle städtebaulichen Veränderungen, um Vidyadhars ursprünglichem Plan treu zu bleiben. Von Anfang an wurde unkontrolliertes urbanes Wachstum durch strenge Gesetze unterbunden. Das blieb auch so, bis sich Jaipur 1949 an die Indische Union anschloß.

Der wichtigste Stadtteil ist der Palastbezirk, auch ,,Stadtpalast“ genannt. Von Osten kommend ist er über den Hawa-Mahal-Basar, Sireh Deorhi (Siegestor), Naqqara-Tor (Trommeltor), Jaleb Chowk oder Dundubi-Tor, und von Süden kommend, über das Tripolia (den dreitorigen Haupteingang), Chandni Chowk, Rajendra-Tor,Mubarak Mahal und Singh-Tor (Löwentor) zu erreichen. Die Teile des Palastbezirks, die 1959 dem Maharaja-Sawai-Man-Singh-II.-Museum übergeben wurden, sind heute größtenteils für die Öffentlichkeit zugänglich. Da der Durchgang durch das Tripolia- und Rajendra-Tor den Mitgliedern der königlichen Familie vorbehalten ist, müssen Normalsterbliche, die den Palast besichtigen wollen, mit dem Atish-Tor und dem Gainda-ki-Deorhi vorliebnehmen. Das erste Gebäude, das ins Auge fällt, ist das wundervolle Mubarak Mahal (Willkommenspalast) aus Marmor und Sandstein. Es wurde von 1895 bis 1900 von Sawai Madho Singh II. als Audienzhalle für seine Gäste errichtet. Später diente das Gebäude als Mahakma Khas oder Tagungsstätte des Kabinetts, heute sind darin die pothikhana (Manuskriptensammlung), Büros der Museumsverwaltung und die toshakhna (Textilsammlung) untergebracht. Mubarak Mahal ist wohl das schönste Beispiel des gemischten Raijputen- und indo-sarazenischen Architekturstils, de rim späten 19. Jahrhundert von dem Briten Sir Swinton Jacob entwickelt wurde.

Die Textilsammlung zeigt eine interessante Auswahl an kostbaren Gewändern aus dem Kleiderschrank der Königsfamilien von Jaipur. Unter den Ausstellungsstücken Schirmwände, Bettdecken, Teppiche, pashmina-Kaschmirschals und shahtush-Wickeltücher, handgefärbte und bedruckte Materialien, odhnis (Schals) aus Jaipur, Seiden-und Brokat-arbeiten aus Benares, Aurangabad, Bengalen, Gujarat und Chanderi. Besonders beeindruckend - allein schon wegen seiner Größe ist das lachsfarbene atamsukh, das Madho Singh I. getragen hat.

Der König soll über zwei Meter groß gewesen sein und 225 Kilogramm gewogen haben. Die Weite seiner Pyjamas läßt keinen Zweifel an seinem Leibesumfang, seine legendäre Größe ist aber historisch nicht belegt. Eine wahre Augenweide ist auch die gold-schwarze Festtagsrobe einer der Maharanis von Sawai Ram Singh. Die goldenen zari-und gota-Applikationen wiegen mehrere Kilogramm. Klein, aber dennoch sehr sehenswert ist die Sammlung mogulischer Glaswaren, ritueller Gegenstände, Musikinstrumente und dekorativen Kunsthandwerks aus der Sammlung früherer großer Herrscherfamilien von Jaipur.

Links vom Mubarak Mahal steht eine weitere Ausstellungshalle, die aus dem Umbau einer alten rasoda (Küche) entstand. Vor langer Zeit wurden hier vegetarische Gerichte, Fleischspeisen, Imbisse, erfrischende Fruchtgetränke und masalas in getrennten Gängen für den Herrscher, seine Familie, Gefolgsmänner und Haremsdamen zubereitet.

An der neuen Ausstellungshalle vorbei, ganz in der Nähe des von Marmorintarsien gezierten Löwentors (Singh Pole), führt ein Weg zur silehkhana (Waffenkammer). Die Dolche, Schwerter, Speere, Feuerwaffen, Brustschilde und Rüstungen stammen aus den alten staatlichen Waffenarsenal und aus Privatsammlungen ehemaliger Herrscher. In diesen Räumen traten früher auch die Dhrupad-Sänger und Kathak-Tänzer des Gunijan khana (Musik- und Tanz Department) auf. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich zwei Schwerter mit Inschriften aus der Waffensammlung des Herrschers Shahjahan, ein persisches Königsschwert und ein fünf Kilogramm schweres, gebogenes Schwert, das einst Raja Man Singh gehörte. Zu den Glanzstücken der Ausstellung gehören Dolche, Messer (katara) und Schwerter mit kunstvoll geschnitzten Griffen aus Jade, Kristall, Achat, Elfenbein, Silber und Gold sowie turbanförmige, golddamas-zierte Helme.

Die mächtigen, mit Kupferplatten beschlagenen Tore des imposanten Singh Pole führen zum Hof des Sarvatob-hadra oder Diwan-i-Khas (private Audienzhalle). Zwei weiße Elefanten, beide aus einem Stück Marmor gemeißelt, bewachen die Flanken des mit wundervoller Pietra dura verzierten marmornen Durchgangs. Das mächtige Löwentor (Singh-Tor) zählt zu den Hauptattraktionen der Palastbezirks. Übertroffen wird sein Ruhm nur noch von den gangajalis (Behälter, in denen heiliges Ganges-Wasser aufbewahrt wurde). Die Wassergefäße aus reinem Silber stehen unter den lachsroten Bögen des Sarvatobhadra. Mit einem Fassungsvermögen von je 8182 Litern sind die beiden gangajalis sogar im Guinness-Buch der Rekorde als die größten Silbergegenstände der Welt aufgeführt. Die Geschichte, die sich mit diesen beiden Wasserbehältern verbindet, beginnt um die Jahrhundertwende. Der Herrscher Madho Singh II. wollte unbedingt nach London reisen, um der Krönung von Edward VII. Im Jahre 1902 beizuwohnen. Ein brandneuer Ozeandampfer wurde für ihn und seine Familie gechartert und um einen königlichen Privattempel bereichert. Um nicht während der Fahrt unreines Wasser trinken zu müssen, nahm er diese beiden Silbergefäße, gefüllt mit dem heiligen Wasser des Ganges, auf seine Europareise mit.

Zur Rechten des weiß und rosarot bemalten Hofes liegt das Diwan-i-Am, dessen prächtige Kronleuchter auf seine ursprüngliche Verwendung als Festsaal hinweisen. Heute beherbergt das Gebäude eine Kunstgalerie, in der seltene Blumenteppiche, wertvolle Manuskripte, farbenfrohe Miniaturen, Thronsessel aus Gold und Silber sowie bemalte und mit Elfenbein eingelegte howdahs ausgestellt sind. Unter den seltenen und wertvollen Exponaten des Museums verdienen die nur zu besonderen Anlässen gezeigten, reich verzierten persischen Schriften Ramayana und Mahabharata (Razmnama) des Herrschers Akbar besondere Aufmerksamkeit.

Vor kurzem wurde ein Teil der Sammlung von Kutschen, Wagen und Sänften aus dem alten Baggi khana (Garage) ins Diwan-i-Am umgesiedelt. Das wohl bemerkenswerteste Gefährt, der zweistöckige Indra-vimen, der von vier Elefanten gezogen wurde, befindet sich aber noch immer in der Garage außerhalb des Naqqara-Tors.

Vom Sarvatobhadra-Hof führt das wunderschöne Ridhi-Sidhi-Tor aus weißem Marmor zum Hof vor der ,,Halle der Geliebten“, Pritam Niwas, im Erdgeschoß des Chandra Mahal. Vier Torwege zieren zwei Seiten dieses Innenhofes, der früher einmal Schauplatz herrlicher Musik- und Tanzfeste war, die in Vollmondnächten von den Königlichen Damen hinter ihren Jali-Fenstern im ersten Stock heimlich beobachtet wurden.

Die nördliche Veranda des Chandra Mahal öffnet sich zum Jai Niwas Bagh mit seinen herrlichen Fontänenreihen, radschlagenden Pfeuen und herumtollenden Äffchen. Der Tempel der Govinda Deva in der Mitte des Parks wird von zahlreichen Gläubigen besucht, die Loblieder auf ihren Gott Krischna singen. An besonderen Festtagen wie etwa Diwali, Annakut und Janmashtami (Krischnas Geburtstag) strömen Hunderttausende Pilger zu dem Heiligtum.

Alle oberen Stockwerke des Chandra Mahal werden heute von der königlichen Familie privat genutzt. Die Gemächer bergen verschiedene Kunstwerke, von den traditionellen Malereien des Sukh Niwas über die blauen Arabesken des Chhavi Niwas bis hin zu den Gold-und Glasarbeiten im Sheesh Mahal. Zur Linken des Palasts befindet sich das Zenana Deorhi, in dem die königlichen Damen, abgeschnitten von der Außenwelt, völlig zurückgezogen lebten. Die Zimmerfluchten, die offenen Hallen, die von kunstvollem Gitterwerk abgeschirmten Gänge und die Schlafgemächer des Zenana Deorhi nehemen mehr Platz in Anspruch als der Hauptteil des Palasts.

Rechts vom Gainda-ki-Deorhi befindet sich das jantar Mantar, die Stern-warte des Sawai Jai Singh. Etwas weiter östlich folgt das Hawa Mahal, der Palast der Winde. Sawai Pratap Singh (1778-1803), Dichter Komponist und gläubiger Hindu, ließ den Windpalast 1799 für seine Gemahlinnen und deren Hofdamen bauen. Das fünfstöckige, sich sanft nach oben verjüngende Bauwerk ist in vieler Hinsicht einzigartig – so in seiner künstlerischen Ausgestaltung, die viel Liebe zum Detail erkennen läßt, und in seinem architektonischen Aufbau, der die Erker den leisesten Windhauch einfangen und so den heimlichen Beobachterinnen hinter den Fenstern angenehme Kühle zukommen ließ.

Weitere bedeutende Bauwerke sind der Tempel von Ramchandraji, den eine der Maharanis von Sawai Ram Singh II. 1845 erbauen ließ, die Stadthalle, die einige Jahre später entstand, und die bis vor einige Jahre als Tagungsort des Parlaments von Rajasthan genutzt wird, und das Ram-Prakash-Theater (gibt leider nicht mehr).

Wenn sich auch in der Stadt des großen Baumeisters Vidyadhar ein tiefgreifender Wandel vollzogen hat, der vor allem auf das starke Bevölkerungswachstum in den letzten Jahrzehnten zurückzuführen ist, so kann ein Spaziergang durch die Straßen des Johari-Basars, des Chandpole-Basars und Purana Basti noch immer zu einem schönen, unvergeßlichen Erlebnis werden. Auf Ihren Streifzügen durch die Stadt begegnen Ihnen Goldschmiede, Emailleure, Miniaturmaler, Bildhauer und viele andere Künstler und Handwerker, die die alten Traditionen Jaipurs am Leben erhalten.

Geschichte von Jaipur
Benannt wurde sie nach ihrem Gründer Maharaja Jai Singh II. (1699-1744), der nach dem frühen Tod seines Vaters Bishan Singh bereits mit 12 Jahren den Thron von Amber bestieg und schon in jungen Jahren den Mogulherrscher Aurangzeb derart beeindruckte, dass er ihm den Ehrentitel Sawai verlieh (eineinviertel Mal besser als alle Zeitgenossen) – eine Bezeichnung, mit der sich seither alle Thronfolger Jaipurs schmücken. Die Maharajas von Jaipur gehören zu den wenigen, deren Herkunft sich bis in das 11. Jh. verfolgen lässt, als Kakil Deo aus dem Rajputenclan der Kachawaha die Festung Amber eroberte und zur Residenz erhob. Sie selbst führen ihre Abstammung aber noch weiter zurück und sehen sich als Erben der legendären Sonnendynastie von Ayodhya. Durch Heirat war das Haus von Jaipur seit Mitte des 16. Jh. eng mit den Moguln verbunden. Sowohl Akbar wie auch sein Sohn Jahangir hatten Töchter der Herrscher von Amber zur Frau. Diese engen Familienbande fanden ihren Niederschlag in zahlreichen Privilegien, wie z. B. den Titeln von Heerführern und Gouverneuren im Dienste der Mogulherrscher. Wie üblich war damit auch ein beachtlicher Reichtum verbunden. 
 
 Mit der Vergrößerung des Reiches, das bald auch die Fürstentümer von Mewar und Marwar einschloss, fasste Jai Singh II. die Neugründung einer Hauptstadt ins Auge, zu der er am 18. November 1727 den Grundstein legte. Möglicherweise wollte der Herrscher damit seine Loslösung von der Mogulherrschaft nach dem Tode Aurangzebs zeigen. Schon zuvor hatte er sich allerdings als eifriger Bauherr betätigt, etwa beim Observatorium in Delhi und im Palast von Amber. 
 
 Mehr als einmal geriet Jaipur nach dem Tode seines Gründers im 18. Jh. in Bedrängnis. Im August 1748 fielen die Marathen in Jaipur ein, zwei Jahre später stand Jaswant Rao Holkar vor der Stadt und trieb Ishwari Singh (1743-1750) in den Selbstmord. Im Jahre 1818 schloss Maharaja Jagat Singh den ersten Vertrag mit den Briten und sicherte damit der Dynastie ein gewisses Maß an Autonomie. Bei der Meuterei 1857 unterstützte Jaipur tatkräftig die Kolonialherren und gehörte seither zu den treusten Verbündeten. 
 
 Die Stadt wurde nach dem in Indien selten anzutreffenden schachbrettartigen Muster angelegt, bestehend aus insgesamt zehn nahezu quadratischen Vierteln, von denen neun wiederum ein Quadrat bilden und über ein Netz sich rechtwinklig kreuzender Straßen verfügen. Woher Jai Singh das Konzept übernommen hat, ist nicht klar. Möglicherweise liegen dem Raster kosmische Bezüge zugrunde. Jai Singh beschäftigte sich ja, wie der Bau etlicher Observatorien beweist, intensiv mit Astronomie und Astrologie. Somit ließe sich die Stadt als eine Art Abbild des Universums, als steingewordens Mandala interpretieren. Die neuen Quadrate symbolisieren dann das neungeteilte Universum, wobei das nördliche, genannt Chokri Sarhand, als Verkörperung des heiligen Berges Meru dem Palast vorbehalten war. 
 
 Der besondere Reiz Jaipurs liegt darin, dass die noch vollständig von Mauern umschlossene Altstadt von modernen Bauten verschont geblieben ist und durch ihren einheitlich rosa Farbton wie aus einem Guß wirkt. Den Anstrich erhielt die Stadt allerdings erst 1876 aus Anlass des Besuchs des Prinzen von Wales, des späteren Königs Edwards VII. Die Tradition wurde bis heute beibehalten und sogar per Gesetz festgeschrieben. 
 

Der Zugang aus der Neustadt erfolgt durch mehrere attraktive Tore entlang der sich rechtwinklig schneidenden Hauptachsen. Das Zentrum und die nördlichen Viertel der Altstadt sind dem Palast und dem Observatorium vorbehalten. Dass der Palast recht ungeschützt inmitten der Stadt lag und nicht, wie in Rajasthan üblich, Teil einer Festung war, lässt auf die militärische Stärke Jaipurs und das Selbstvertrauen des Erbauers in jenen Tagen schlissen. Als rettende Zuflucht hatte Jai Singh II. für den Notfall allerdings die als uneinnehmbar geltende Feste Nahargarh (Tigerfestung) unmittelbar nordwestlich der Palastanlage auf einen mit dem Fort Jungarh verbundenen Felsgrat gesetzt und so eine hochliegende Bastion gegen potentielle Angriffe aus der Ebene geschaffen. Aus diesem strategischen Grund wurde die Stadt auch so nahe wie möglich an den Gebirgszug gerückt und der perfekt symmetrische Grundriss dem Sicherheitsgedanken geopfert. Dass der Schutz allerdings nicht ausreichte, beweisen die mehrfachen Überfälle der Marathen. 

Der Palast von Jaipur
Obwohl der nach wie vor vom Maharaja von Jaipur bewohnte Paläste nur zum Teil der Öffentlichkeit zugänglich ist, offenbart sich dem Besucher hier die legendäre Prachtentfaltung der indischen Herrscher besonders eindrucksvoll. Im Gegensatz zu den frühen, eher burgartigen Palastanlagen Rajasthans gruppieren sich die Gebäude um mehrere Höfe in einem ummauerten Komplex, in den auch ein größerer Garten einbezogen wurde. Die Anlehnung an die Paläste der Mogulherrscher Jahangir und Shah Jahan ist in dieser Residenz, die den Ausgangspunkt für die Stadtplanung bildete, unübersehbar. Durch das westliche Tor Virendra Pol betritt der Besucher heute den ersten Innenhof, der vom Mubarak Mahal im Zentrum beherrscht wird. Das elegante, durch seine zierlichen Säulen der umlaufenden Veranda im ersten Stock grazil wirkende ehemalige Gästehaus entstand 1900 unter Aufsicht des Engländers Samuel Swinton Jacob, dem State Engineer of Jaipur, und verkörpert die letzte bedeutsame Phase indischer Architektur. 

Heute ist im oberen Stock das Textilmuseum mit Gewändern der Maharajas von Jaipur untergebracht, darunter eine Robe aus Benares Brokat des schwergewichtigen (Gürtelumfang 1,80 m) Maharaja Madho Singh I. (1880 – 1922), feinste Kaschmirstoffe und traditionelle Holzdrucke, Brokate, mit Gold durchwirkte Schals, Glaswaren und Spielzeug der Prinzen. In der nordöstlichen Ecke des Hofs hat die Waffenkammer ihren Platz. In der sehenswerten Sammlung manifestiert sich die Vorliebe der Rajputen für das Kriegshandwerk und ihr Erfindungsreichtum in der Entwicklung besonders grausamer Waffen, so etwa einer Keule in Form einer Lotosknospe, die sich in der Wunde des Opfers mit zahlreichen Spitzen entfaltet. Zu sehen gibt es überdies das gewaltige Schwert von Raja Man Singh I., die Schwerter der Mogulherrscher Jahangir und Shah Jahan, Juwelen – schmückte Dolche und einen Helm Akbars sowie Pistolen und Gewehre unterschiedlicher Kaliber.

Das dekorative, zu Beginn unseres Jahrhunderts zusammen mit dem Mubarak Mahal ebenfalls aus Marmor gefertigte Rajender Pol an der Nordseite des Hofs wird von zwei schön gearbeiteten Elefanten aus Marmor bewacht
Sie wurden hier 1931 von Maharaja Man Singh II. (1922-1970) aufgestellt, um die lange erhoffte Geburt eines männlichen Nachfolgers (des derzeitigen Mahajaras Bhawani Singh) zu feiern. Durch das Tor gelangt man in den zweiten Hof mit der ursprünglichen öffentlichen Audienzhalle (Diwan-i-Am), die ihre mongolische Abkunft kaum verleugnen kann, mit ihren aufgemahlten pietra dura-Imitaten allerdings weit von deren Qualität entfernt ist. Die Halle trägt heute den Namen Sharbata Bhadra (private Audienz-halle order Diwan-i-Khas). Prunkstücke sind die beiden 1,50 m hohen, 345 kg schweren Silbergefäße, die Madho Singh II. im Jahre 1902 fuer seinen Besuch der Krönungsfeierlichkeiten von König Edwards VII. in England anfertigen ließ, um auch unterwegs nicht auf das heilige Gangeswasser verzichten zu müssen.

Ganesh-Pol-Eingangstor(Amber)

Laxmi-Naryan-Mandir-Tempel

Ganesh-Pol-Eingangstor(Amber)

Laxmi-Naryan-Mandir-Tempel

In der neuen öffentlichen Empfangshalle (Ende 18. Jh./Anfang 19. Jh.) an der Nordostseite des Hofs ist nunmehr die Kunstgalerie untergebracht. Präsentiert werden eine große Auswahl von Miniaturen, darunter eine Darstellung mit Maria und Josef, die zwei anbetenden blonden Engeln das Jesuskind zeigen, Teppiche des 16. und 17. Jh. aus Kabul und Lahore, ein Manuskript der Bhagavadgita in Miniaturschrift und die üblichen Fotos der Herrscherfamilie. Einen Blick verdient auch die um 1870 mit Blümenornamenten bemalte Decke. Durch das Ganesh Pol im Westflügel des Hofs gelangt man in den angrenzenden Pfauenhof (Pritam Niwas Chowk). An der Nord-seite wird er vom Hauptgebäude der Residenz begrenzt, dem sieben-stöckigen stufenförmigen, die Gesamtanlage überragenden Chandra Mahal, der zwischen 1727 und 1734 als erstes Gebäude der Stadt errichtet wurde und noch die kompakte Struktur der Rajutischen Palastarchitektur erkennen lässt. 
Akzentuiert wird die Fassade durch den Wechsel glatter Wandflächen und vorspringender, übereinanderlegender, von schmalen Säulen getragener Balkone. Allerdings haben die Architekten die recht kleine Front mit zu vielen Details überfrachtet und ihr so die Erhabenheit genommen, die früheren Palastanlagen der Rajputen zu eigen ist. Kleine kunsthandwerkliche Kostbarkeiten sind Allerdings die Pfauendarstellungen über dem barock anmutenden Pfauentor und die getriebenen Metallreliefs an den Türen. 

Das Observatorium von Jaipur
Unübersehbar springen am Zugangstor zum Stadtpalast die futuristisch anmutenden Yantras, die Steinplastiken des Jantar Mantar ins Auge. Schon früh hatte sich Jai Singh II. mit Astronomie beschäftigt und bereits 1724 ein Observatorium in Delhi errichtet, denen weitere in Jaipur, Varanasi, Ujjain und Mathura folgten. Weniger Wissenschaftlicher Erkenntnisdrang stand hinter diesen Ambitionen als vielmehr der Wunsch nach möglichst präzisen Daten für die in der der indischen Kultur tief verwurzelte Astrologie. Die Funktionsweise der in mehreren Komplexen angeordneten Instrumente ist auch heute für den Laien ohne astronomische Grundbegriffe wie Meridian, Azimut, Zenit, Eklipse order Deklination nur schwer zu verstehen. Jaipur ist das einzige Observatorium Jai Singhs, dessen Instrumente noch voll funktionsfähig sind, deshalb soll hier kurz auf die Bedeutung der drei wichtigsten Messstationen eingegangen werden. 

Observatorium-Jantar-Mantar-seit-2010-UNESCO-Welterbe

Auto-des-Maharadjas

Observatorium-Jantar-Mantar-seit-2010-UNESCO-Welterbe

Auto-des-Maharadjas

Die zwei in die Erde eingelassenen halbkügelfoermigen Gebilde (Jai Prakash Zantra) bilden den auf den Kopf gestellten Himmel ab, wobei der obere Rand den in 360 Grad aufgeteilten Horizont darstellt. In die gekrümmten Marmorsegmente sind Azimutlinien, der lokale Meridian und der Himmelsaequator eingeritzt. Vier Drähte halten einen kleinen Ring über dem Zentrum, dessen Schatten über die Messlinien wandert. Einige Meter weiter steht eine Doppelsonnenuhr (Narivalaya Yantra), bestehend aus zwei kreisrunden, geneigten Scheiben. Die nach Norden gerichtete Sonnenuhr zeigt die Jaipurzeit zwischen dem 22. März und dem 22. September, die südliche lässt sich im Winterhalbjahr ablesen. Am 21. März und am 23. September, den Tagen der Sommer – und Wintersonnenwende stehen beide Uhren, d. h. die Flächen liegen im Schatten. Der höchste Komplex in der hinteren Ecke (Brihat Samrat Zantra) ist eine überdimensionale Sonnenuhr. Das 44 m lange und 27 m hohe Bauwerk mit einer Schräge von 27 Grad wirft einen Schatten auf die halbkreisförmigen Bögen zu seinen füssen, der pro Stunde um etwa 4 m wandert. Es lässt sich aber auch für komplexere Beobachtungen von Zenitdistanzen und Meridiandurchgängen nutzen. 

Hawa Mahal (Wahrzeichen von Jaipur)
Wohl kein Gebäude Indiens, den Taj Mahal einmal ausgenommen, ist so oft auf Film gebannt worden wie dieser sogenannte Palast der Winde (3). In den Augen vieler Europaer verkoerpert er die Exotik Indiens schlechthin, obwohl es sich nur um eine kulissenhafte Illusion handelt, die von Kunsthistorikern eher als Zeichen der Dekadenz und des Niedergangs der rajputischen Architektur gewertet wird. Erbaut wurde die fünfstöckige, bienenwabenartig mit 953 Fenstern und Erkern durchsetzte Fassade am Ostrand des Palastkomplexes im Jahre 1799 von Pratap Singh, um seinen Hofdamen, vor fremden Blicken durch Jalis geschützt, einen Blick auf die unterhalb stattfindenden festlichen Umzüge zu gewähren. In der Staffelung gleichartiger Elemente zu einer sich verjüngenden Spitze hin verbergen sich hinter den vorherrschenden islamischen Architekturformen des Hawa Mahal aber auch Merkmale der hinduistischen Shikhara-Tempeltürme. 

Hawa-Mahal

Palast-der-Winde-Jaipur

Hawa-Mahal

Das Government Museum (Albert Hall - Jaipur)
Der Ram Niwas-Park, der Ende des vergangenen Jahrhunderts im Rahmen der Stadterweiterung geschaffen wurde, grenzt südlich an die Altstadt. Die Grünanlage bildet den Rahmen für die Albert Hall, zu der der Prince of Wales bei seinem Besuch 1876 den Grundstein legte. Unter der Aufsicht des bereits erwähnten Samuel Swinton Jacob wurde sie nach britischem Vorbild errichtete. Sie gibt auch heute noch der umfangreichen Kunstsammlung einen würdigen Rahmen. 

Wie in vielen indischen Museen wird der Besucher hier mit einem zuweilen befremdlichen Sammelsurium unterschiedlichster Exponate konfrontiert, von kuriosen Skeletten bis zu erlesener Kunst. Außergewöhnlich ist die Sammlung von Miniaturmalerei entlang der Galerien im ersten Stock. Gezeigt werden u.a. Serien der Bundi-schule (16. und 18. Jh), Werke aus Jodhpur (18. Jh.) in denen die Personen ausschließlich im Profil dargestellt werden, Miniaturen der Mogulschule mit lebendigen Szenen höfischen Lebens. Makaber muten hingegen die in einem Seitenflügel Aufsicht an; eher kurios das Nebeneinander von Schiffs – und Eisenbahnmodellen, ausgestopften Krokodilen, einer ägyptischen Mumie und Anatomiemodellen in anderen Seitenflügeln. Informativ und gut erläutert sind hingegen die Dioramen im Erdgeschoß, die regionalen Schmuck und Kleidung in ansprechendem Rahmen präsentieren auch Szenen traditionellen Tanzes, des Holifestes und einer Hochzeit mit lebensgroßen Figuren darstellen. Auch dem berühmten rajasthanischen Kunsthandwerk ist breiter Raum gewidmet. 

Die Umgebung von Jaipur

Zwar hat Jaipur dem Besucher viel Interessantes zu bieten, doch locken auch die zahlreichen Sehenswürdigkeiten in der nahen Umgebung. Sie sind leicht zugänglich und bieten sich als Zwischenstopps auf dem Weg von Agra und Delhi nach Jaipur oder als Tagesausflugsziele von Jaipur aus an.

Unmittelbar oberhalb der Nordwestecke der Stadt thront das Fort von Nahargarh (Tigerfestung), das zusammen mit der Stadt Mitte des 18. Jh. entstand. Lohnend ist der Ausflug vor allem wegen der einzigartigen Aussicht auf Jaipur. Einen Blick verdient aber auch der im. 19. Jh. entstandene Madhavendra Bhavan mit hübschen Blumenfresken. Von den Marmorsäulen sollte man sich nicht täuschen lassen, sie bestehen nur aus Stuck als perfektem Imitat. 

Auf dem Weg nach Amber, der nächsten grossen Sehenswürdigkeit in der Umgebung von Jaipur, trifft man zunächst auf den in einem künstlichen See liegenden Jai Mahal, einen der in Rajasthan beliebten Wasserpaläste, der von Madho Singh I. (1760-1778) als Jagdschloss gebaut wurde. Er verkörpert zwar die festungsartige Bautradition der Rajputen, gleichwohl fehlt ihm ein wenig Ausstrahlung. Die Chattris und bengalischen Dächer verschmelzen nicht mit dem Baukörper zu einem harmonischen Ganzen, sondern bilden allenfalls losgelöste dekorative Elemente. 

Am nördlichen Ende des Stausees lohnt sich ein kleiner Abstecher nach rechts zum Komplex Jai Mahal Talav, wo den Besucher ein sehr schön restaurierter Mogulgarten erwartet. Kurz hinter dieser Abzweigung führt von der Strasse Jaipur-Amber nach links eine kurvenreiche Zufahrt zum weiträumigen Fort Jaigarh hinauf, das erst seit relative kurzer Zeit zugänglich ist und allem durch seine Befestigungen lagen und den Blick auf Amber beeindruckt. Das Museum, untergebracht in zwei langen Galerien, zeigt überwiegend Erinnerungstücke und Fotos der Maharajas von unterschiedlichen Kriegsschauplätzen. 

An der höchsten Stelle hat unter einem Dach die Riesenkanone Jaivan Ihren Platz, die ihre Feuerkraft allerdings niemals unter Beweis stellen musste. Am Fusse des Gebirgszuges liegen in Gaitor , der königlichen Verbrennungsstätte, die teilweise prachtvoll gestalteten Kenotaphe der Maharajas von Jaipur. Die Gedenkstätten der Maharanis befinden sich einige Kilometer entfernt, rechts an der von Jaipur nach Amber führenden Strasse, ein Stück vor dem Wasserpalast Jai Mahal. 


Amber
Die etwa 10 km nordöstlich von Jaipur gelegene alte Hauptstadt befindet sich zwischen zwei Gebirgszügen der Aravallikette. Bereits im frühen 10. Jh. ließen sich hier die Minas nieder, mußten jedoch um 1150 dem Rajputenclan der Kachhawaha weichen. Bis zur Verlegung der Residenz nach Jaipur im Jahre 1727 was Amber Residenz dieses einflußreichen Fürstentums. 

Die Palastanlage bietet sich als ein aus mehreren Höfen bestehender, treppenförmig ansteigender rechteckiger Komplex, der in Mehreren Bauabschnitten zwischen 1600 und 1727 entstand. Senkrechte, mit turmartigen Bastionen und kleinen Balkonen versehene Wände vermitteln den für viele Paläste Rajasthans charakteristischen burgartigen Charakter. Auf einem im Zickzack geführten Weg gelangt man durch ein Vortor zum Suraj Pol, dem Eingang zum unteren Hof Jaleb Chowk , in dessen Gebäuden die Palastwache untergebracht war. Es handelt sich um die letze Erweiterung der Anlage kurz vor der Verlegung der Hauptstadt nach Jaipur. 

Amber-Fort-Jaipur

Elefanten-und-ihre-Aufpasser-warten-auf-Touristen

Amber-Fort-Jaipur

Elefanten-und-ihre-Aufpasser-warten-auf-Touristen

Rechts neben der Treppe, die zur nächsten Ebene führt, liegt etwas zurückgesetzt der Shila Devitempel mit einer Figur der Gottheit Kali, die nach einem erfolgreichen Feldzug im Auftrag Akbars zu Beginn des 17. Jh. aus Bengalen nach Amber gebracht worden war. Bemerkenswert sind die Silberarbeiten an der Tür und die beiden zu Füssen des Idols liegenden silbernen Löwenfiguren. 

Den nächsten höherliegenden Hof, Mitte des 17. der Palastanlage hinzugefügt, erreicht man durch das Singh Pol, aus strategischen Gründen jedoch nicht auf direktem Weg, sondern erst nach einer 90 Grad Wendung nach links, die einen Frontalangriff vereiteln sollte. Den Besucher erwartet hier mit der öffentlichen Audienzhalle (Diwan-i-Am) ein architektonisches Meisterwerk. Die äußeren Doppelsäulen des Hallenbaus bestehen aus rotem Sandstein, die inneren aus gelblichem Marmor. Die von den Kapitellen ausgehenden Konsolen sind der hinduistischen Tempelarchitektur entlehnt und mit Tierfiguren verziert. Das baldachinartige Dach mit einer sogenannten Spiegeldecke orientiert sich hingegen an den Bauwerken Akbars, entstammt ursprünglich jedoch der altindischen Holzbauweise. 

Der außergewöhnliche Bau soll den Neid des Mogulherrscher Jahangir erweckt haben, dessen Vasall der Maharaja von Amber damals war. Er wollte bei seinem Untergebenen kein prachtvolleres Bauwerk dulden, als er selbst es besaß, und ordnete die Zerstörung an. Ehe die Abgesandten des Moguln jedoch in Amber eintrafen, hatte man den Diwan-i-Am mit einem Stucküberzug verunstaltet der keinen Zweifel daran liess, dass die Bauten Jahangirs weitaus prächtiger waren – der Herrscher war besänftigt, die Kostbarkeit gerettet. 

Der Zugang zum nächst höher gelegenen Hof erfolgt durch den beeindruckenden Torbau des Ganesh Pol, der wahrscheinlich von Jai Singh II. noch kurz vor dem Umzug nach Jaipur in Auftrag gegeben worden war. Mit seinem Zentralbogen und den beiderseits doppelstöckig angeordneten Portalnischen lässt sich eine Anlehnung an Torbauten der Moguln erkennen. Andererseits jedoch sind die hervorspringender Erker und die feinen Steinarbeiten eher rajputischen Ursprungs und später auch an den Toren des Palastes von Jaipur zu finden. Gleiches gilt für die an Miniaturen erinnernden Malereien, etwa der des Ganesh über dem Eingang im Zentralbogen, der wie an vielen Palästen Rajasthans die Trennung zwischen öffentlichem und privatem Bereich anzeigt. Das Tor besteht aus zwei hintereinanderliegenden Räumen, durch die man ebenfalls einen Haken schlagen muss, um in den Privatbereich des Palastes zu gelangen. Vom Hof aus gibt sich das Tor nicht zu erkennen, nur zwei schmale Türen in einer glatten Wand markieren die Verbindung zwischen den beiden Höfen. 

An die Ostwand des von einer hohen Mauer umschlossenen Hofs ist der Jai Mandir (private Audienzhalle) angebaut, eine Säulenhalle mit Zackenbögen, der bei Rajputen beliebten Spiegeldekoration an der Decke und hübschen Pflanzenmotiven an den Wänden. Auf dem als Terrasse ausgebildeten Dach liegt der Pavillon Jass Mandir, der bis zur Außenwand der Palastanlage reicht und durch seine durchbrochenen Fenster nicht nur einen herrlichen Blick ins Tal gewährt, sondern auch an heißen Tagen eine Kühle Brise verspricht. Mit seinem bengalischen Dach und den beiden Kuppeln wirkt er, insbesondere im Zusammenklang mit dem Jai Mandir, ausgesprochen harmonisch. Ganz ähnlich ist der auf derselben Terrasse über dem Ganesh Pol errichtete Pavillon an der Nordseite gestaltet. Auffallend ist auch die überreiche Verzierung mit farbigem Glas. 

An der Westseite des Hofs liegt der Suk Niwas (Halle der Zufriedenheit), aus dessen Mitte ein in Marmor gefaßter Kanal in den Garten fließt, der im Inneren Kühlung verschaffte. Über die Terrasse des Jass Mandir gelangt man in den letzten Hof, der heute als Zenana (Harem) bezeichnet wird, jedoch den ursprünglichen Kern des Palastes bildet. Alle anderen Höfe wurden erst später ergänzt. Der elegante Pavillon im Zentrum paßt nicht recht ins Bild und wurde wohl im Rahmen der Palasterweiterung hinzugefügt. 

Die Umgebung Von Jaipur
Gaitor

Die königlichen Ehrengrabmäler liegen bei Gaitor, 6,5 km von Jaipur entfernt an der Straße nach Amber. Sicher sind auch Sie von dem weißen Marmorgrabmal des Maharadscha Jai Singh II. am meisten beeindruckt. Es ist mit geschnitzten Pfauenbildern geschmückt. Gleich daneben kann man das Grabmal seines Sohnes sehen, und gegenüber steht inmitten eines Sees der Wasserpalast Jai Mahal. Sie erreichen ihn über einen Damm. So ganz mitten im See steht der Wasserpalast allerdings mittlerweile nicht mehr, denn die Wasser-Hyazinthen verdrängten ihn mit ihren Wurzeln. Weitere Grabmäler der königlichen Familie befinden sich außerhalb der Stadtmauern.

Galta
Verlassen Sie Jaipur durch das Surya Gate, dann sind es noch 2,5 km bis zum Tempel des Sonnengottes in Galta. Er steht 100 m oberhalb der Stadt im Osten und gewährt den Besuchern einen herrlichen Blick in die Ebene ringsum. Hinter dem Tempel sehen Sie eine tiefe Schlucht mit einigen Tempeln.

Tiger Fort
Auf einem Bergkamm, 6,5 km von der Stadt entfernt, liegt das Fort Nahargarh. Sie erreichen es auf einer mittlerweile befestigten Straße von Amber aus durch hügelige Landschaft. Natürlich bringt Sie auch eine Ricksha dorthin. Jedoch sind die letzten 1/½  km ein reiner Zick-Zack-Kurs, bis schließlich der Gipfel erreicht ist. Die Mühe lohnt sich aber. Außerdem können Sie sich in einem kleinen, aber guten Restaurant hoch oben erholen. Das Fort wurde 1734 gebaut und im Jahr 1868 erweitert.

Fort Jaigarh
Das imposante Fort Jaigarh ist erst seit 1983 für die Öffentlichkeit zugänglich. Jai Singh ließ es 1726 erbauen. Es liegt nicht weit von Amber entfernt und bietet vom Wachtturm (Diwa Buri) einen guten Ausblick in die Tiefebene. Das Fort und seine Sehenswürdigkeiten, wie das Wasserrservoir, die Wohnbereiche, das Puppentheater und die Kanone (Jaya Vana), können in der Zeit von 9.00-16.30 Uhr besichtigt werden.

Sisodia Rani-Palast und Gärten
8 km außerhalb der Stadt an der Straße in Richtung Agra gelegen, baute der Maharadscha Jai Singh diesen Palast für seine zweite Frau, die Prinzessin Sisodia. Die Äußeren Mauern des Palastes sind durch Wandgemälde mit Jagdszenen und Darstellungen der Krishna-Legende geschmückt. Der Palast ist von Terrassengärten umgeben.

Vidyadhars Garten
Dieser wunderschöne Garten wurde zu Ehren des Chefarchitekten und Planers von Jai Singh angelegt. Er liegt eingebettet in ein enges Tal.

Sanganer
Diese kleine Stadt, 16 km südlich von Jaipur, betreten Sie durch zwei Tripolia (dreifache Stradttore). In der Stadt selbst finden Sie Palastruinen und eine Anzahl von Jain-Tempeln mit sehr schönen Schnitzereien. Der Zutritt zu den Tempeln ist jedoch nicht gestattet. Die Stadt erwarb sich einen guten Namen wegen des handgearbeiteten Papiers und der Handdruckereien.

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Balaji
Der hinduistische Exorzisten-Tempel von Balaji liegt etwa 1½ km von der Straße zwischen Jaipur und Agra entfernt. Eine Busfahrt von Bharatipur dauert etwa 1½ Stunden. Der Exorzismus wird hier manchmal in recht brutaler Weise ausgeführt. Die “Opfer” haben keine Hemmungen, ihre Erfahrungen offen zu diskutieren.

DAS RAMBAGH PALACE HOTEL
Im Herzen der neuen Stadt steht das legendäre Rambagh Palace Hotel inmitten eines 14,5 Hektar großen Grundstücks. Im 1887 errichteten Rambagh Palace ist der Gast König (im wahrsten Sinne des Wortes), daran hat sich auch nach der Übernahme durch die Nobel-hotelkette Taj 1972 nichts geändert.

Weit älter als der Palast ist die umliegende Parkanlage, die 1838 von Kesar, einer badaran der Dienerin der Maharani Chandrawati, der Mutter von Sawai Ram Singh II., angelegt worden ist. Der Garten mit seinem 4 Zimmer-Pavillon in der Mitte wurde Kesar Bagh, der Garten der Kesar, genannt. Ram Singh verwandelte den Park in ein Jagdrevier, benannte ihn in Rambagh um und ließ ein Gästehaus mit 26 Zimmern bauen. Da der Herrscher das Jagen innerhalb eines Radius von 16 Kilometern um die Stadt für alle Normalsterblichen mit Ausnahme der königlichen Familienmitglieder, verboten hatte, gab es in diesem Gebiet reichlich Wild. Rambagh soll damals übrigens die einzige private Residenz mit einem eigenen Polofeld gewesen sein.

Kurz nach dem Tod des Maharaja Madho Singh 1922 wurde im Rambagh Palace eine spezielle Schule für dessen elfjährigen Nachfolger eingerichtet, um so lautete jedenfalls die offizielle Version, ihn von den Haremsintrigen im Stadtpalast fernzuhalten. In Wirklichkeit ging es aber darum, den jungen Erben von Anfang an unter eine britische Vormundschaft zu stellen. Sir James Roberts eröffnete die Schule und unterrichtete selbst den jungen Herrscher zusammen mit 22 anderen Kindern aus den reichen Adelsfamilien der Stadt. Drei Jahre später wurde Rambagh zur offiziellen Residenz von Man Singh, wieder mit der Begründung, ihn von der ,,unangemessenen“ Atmosphäre im Stadtpalast fernhalten zu müssen.

Der Einzug in den Rambagh-Palast erwies sich für Man Singh als Glücksfall. Mit dem Palast verbinden sich zwei bedeutende Ereignisse im Leben des Herrschers. 1931 wurde hier sein ältester Sohn Bhawani geboren, der erste direkte Erbe in der Familie nach fast 100 Jahren. Im folgenden Jahr kam eine weitere denkwürdige Begebenheit hinzu. Man Singh lud die Maharani von Cooch-Behar, die auf der Durchreise nach Ajmer war, zu sich in den Rambagh als Gast ein. Wie der Zufall so spielt, hatte die Maharani eine Tochter von blendender Schönheit, der Man Singh natürlich sofort erlag. Trotz ihrer Jugend war der bereits zweimal verheiratete Herrscher entschlossen, die Prinzessin zu seiner Maharani zu machen. Gayatri Devi war eine der schönsten Frauen ihrer Zeit.

Man Singh verwandte sehr viel Zeit und Geld auf die Umgestaltung des Palastes in eine Luxusresidenz. 1936 wurde ein neuer Speisesaal gebaut, und 1940 wurden Springbrunnen aus Paris zur Hochzeit von Man Singh und Gayatri Devi importiert. Das Herrscherpaar bewohnte zwei aneinandergrenzende Suiten. Die Maharaja-und Maharani-Suite sind heute die teuersten Zimmer des Hotels.

Bis 1975 war der Rambagh Palace die Residenz der ,,Jaipurs“, Nach der Unabhängigkeit Indiens und der Eingliederung der Fürstentümer in den neuen Staat wehte jedoch ein neuer demokratischer Wind, dem auch die Königsfamilie nicht trotzen konnte. Gegen den Willen der Familie entschoß sich Man Singh, seine luxuriöse Residenz in ein Hotel umzuwandeln.

Die gediegene Polobar, die sorgfältig gepflegte Parkanlage und die üppig ausgestatteten Zimmer halten die Erinnerung an die Vergangenheit wach und lassen für den Gast eine Zeit aufleben, in der Müßiggang und Luxus das Leben bestimmten.

Jaipur in den 80er Jahren (Reisebericht)
Hauptstadt Rajasthans und des Distriktes Jaipur
Höhe ü. d. M.: 424 m
Industrie und Handwerk: Wolle, Baumwolle; Färbereien, Decken, Teppiche, Edelsteinschleifereien, Marionetten, Messingware
Transport: Flugzeug, Zug, Bus; Taxi, Scooter, Tonga, Rikshaw
Massentourismus

Die Stadtplanung
Bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jhdts. hatte in vielen Rajputen-Staaten mit dem Aufbegehren gegen die Moghulmacht eine rege Bautätigkeit eingesetzt, die sich auf alte hinduistische Bauformen zurückbesann. Nach dem Tod Aurangzebs sah auch Jai Singh II von Amber die Möglichkeit der Loslösung vom Moghulreich. Die Gründung einer den Shilpa Shastras, den Hinduarchitekturlehrbüchern, entsprechenden Stadt, die die alte, enggebaute Hauptstadt Amber als Residenz ablösen sollte, schien dem Raja ein geeignetes Symbol der Unabhängigkeit. Neun Jahre vor der Stadtgründung, also bereits 1718, errichtete er die Sternwarte, die das Zentrum Jaipurs bilden sollte. Die Instrumente des Observatoriums werden noch heute als Yantras bezeichnet, als ,,kultische Werkzeuge“, die der Stadt Glück bringen sollen.

Von der Lage einer Stadt über die Breite ihrer Straßen bis zur Belegung der einzelnen Stadtteile durch die verschiedenen Kasten sehen die Shilpa Shastras jades Detail der Stadtplanung vor. Die Stadt soll südlich eines nach Osten fließenden Gewässers liegen. Sie soll ein Gefälle nach Norden oder Nordosten aufweisen. Ein Hauptstraßenkreuz soll in die vier Himmelsrichtungen weisen. Die so entstandenen vier Stadtviertel, Padas (,,Schritt“) genannt, werden den vier Varnas zugeordnet. Residenzstädte können in 3x3, 4x4, 5x5 etc. Padas unterteilt werden. Im Mittelpunkt der Stadt soll als Symbol des Götterberges Meru ein Tempel stehen. Die Liste der Vorschriften, bei deren Einhaltung eine, dem Weltgesetz entsprechende, himmelsgleiche Stadt entstehen muß, ließe sich noch sehr viel weiter führen. Eine strenge Befolgung der Gesetze ist kaum in einer indischen Stadt erreicht worden, da politische oder geographische Besonderheiten in den meisten Fällen eine Abänderung erzwungen haben, bzw. von einer Stadtplanung gar nicht die Rede sein kann.

Inwiefern erfüllt Jaipur die Gebote der Shilpa Shastras? Jai Singh ging es nicht nur um ein Symbol der Auflehnung gegen die moslemische Herrschaft durch bedingungslose Übernahme der Hindugesetze. Er wollte auch eigene, zum Teil vom Ausland beeinflußte Baugedanken verwirklicht sehen. Statt eines Tempels errichtete der begeisterte Astronom und Astrologe als Huldigung an den Sonnengott eine Sternwarte als Stadtzentrum mit dem daran angeschlossenen Mondpalast (Chandra Mahal). Die Ausrichtung der Sternwarte und des Palastes und damit auch der gesamten Stadt weicht um 15 Grad nach Nordosten von der in den Architekturschriften vorgesehenen Nordrichtung ab. Der Grund dafür wie auch für andere Abweichungen bleibt Spekulation, da ein Nachfolger Jai Singhs die Bauunterlagen mit anderen wertvollen Schriften als Packpapier verkauft hat. Nördlich des Palstes liegen Teiche und Grünanlagen, ein Stadtteil, der eigentlich Brahmanen vorbehalten sein soll. So bleibt den Brahmanen nur der NO-Stadtteil. Die anderen Padas sind den übrigen Kasten nach Vorschrift zugeteilt: der Osten den Kshatriyas, der SO und Süden den Vaishyas und der Westen den Shudras. Parias wohnen außerhalb der Stadt-mauern. Durch Nebenstraßen konnte eine weitere Unterteilung in Unterkasten erreicht werden. Die Verlegung des nord-westlichen Stadtteils in den SO wurde wegen des Berghanges notwendig. Weitere Abweichungen vom Straßenschema, etwa die ungeordnete Aufteilung im Norden, sind darauf zurückzuführen, daß die Stadt beim Tod Jai Singhs noch nicht fertiggestellt bzw. noch nicht alle Stadtteile bewohnt waren und spätere Maharajas die Baupläne ihres Vorgängers kaum beachteten. Der Stadtgründung ließ Jai Singh ein altvedisches Ritual, Ashvamedha (,,Roßvermischung“) genannt, vorausgehen. An dieses Roßopfer erinnert eine Säule im Vorort Brahmapuri und das Marmorstandbild eines Pferdes im Kilki-Tempel am Siredeori Bazar. Ebenfalls auf die vedische Zeit geht die Errichtung eines Weltachsen-Symbols, des siebenstöckigen Aussichtsturmes Ishvar Minara (Ishvar Lat) zurück, der beim Südtor des Palastes, dem Tripolia-Tor, steht. Dem gesamten Stadtplan schließlich liegt, wie es die Shilpa Shastras fordern, ein von Astrologen und Priestern entworfenes Mandala zugrunde, ein mit einfachen geometrischen Formen gezeichnetes Kultbild, das den Kosmos symbolisiert und in seiner strengen Ordnung ein formloses, chaotisches Sein einfangen soll. Das perfekte Mandala ist das einfache Quadrat, gleich welchen Ausmaßes. Durch Aufteilung in Teilquadrate oder Rechtecke entstehen kompliziertere Mandalas. Quadratische Mandalas sind Tempelbauten und rein brahmanisch bewohnten Städten vorbehalten. Das Manala von Jaipur ist ein Rechteck; seine neun Padas haben ebenfalls Rechteckform.

Stadtbild. Die ,,Pink City“, die rosa Stadt, wie Jaipur oft genannt wird, haben wird von den Touristen mit Spannung erwartet. Immerhin ist die Hauptstadt Rajasthans einer der wichtigsten Touristenorte Nordindiens. Auf den ersten Blick will sie uns jedoch eher wie eine unbedeutende Stadt erscheinen. Das Geschäftsleben beschränkt sich, so unser Eindruck, auf eine einzige Straße, die Mirza Ismail Road, die sich an der südlichen Stadtmauer entlangzieht. Schon wenige Stunden nach der Ankunft lernt man bei einem Spaziergang durch die Neustadt, daß der Reiz Jaipurs nicht nur in der Altstadt liegen kann, also nicht nur innerhalb der Stadtmauern. Man beginnt die Stadtbesichtigung dennoch außerhalb der Mauern.
Breite, sonnendurchflutete Straßen, in denen unter der Tageshitze der Gestank von Urin aufsteigt, grundlos hupende Auto-fahrer, Souvenirläden, vor denen Mister ,,Yes, Sir“ zum Kauf auffordert, haushohe Filmplakate, ausgemergelte Kühe usw. Die Schlagwörter passen auf Delhi, Bombay, Agra, auf Madurai, Bangalore, Patna und Benares und warum nicht auch auf Jaipur! Außer diesen obligatorischen Beigaben hat die Neustadt Jaipurs kaum etwas zu bieten. So beschränkt sich das Besichtigungsprogramm auf den Ram-Niwas-Garten mit Zoo und Museum und den Rambagh-Palast. Im Museumsgebäude (1876 – 1886) wurde mit Erfolg versucht, diverse indische Baustile auf einen Nenner zu bringen, eine letzte finanzielle Kraftanstrengung der Maharajas. Bei den Ausstellungsstücken ist neben Kunsthandwerk Jaipurs vor allem ein 9x4 m großer persischer Teppich (17. Jhdt.) erwähnenswert. Die Parkanlagen sind nicht sonderlich einfallsreich gestaltet, bieten aber jederzeit Raum zum Ausruhen, was überigens auch im ruhigeren Park Ram Niwas Park auch nicht der Falls ist. Der schönste Park Jaipurs ist jedoch der Garten des Rambagh-Palastes. Der Palast des Maharajas Ram Singh (1835 – 1880) wird heute als Hotel genutzt Für etwa 500 - 700 Euro am Tag kann hier die Maharaja-Suite gemietet werden. Die übrigen Zimmer sind zumeist von Reisegruppen belegt, denen ein paar Dauer-Entertainer Kurzweil bereiten sollen. Da quält ein lustloser Musiker Stunde um Stunde sein Instrument, dessen Klang ungehört in den Parkanlagen verhallt; werden Kobra und Mungo aufeinander losgelassen, machen aber, da sie den Trick schon kennen, keine Anstalten, sich zu bekämpfen; kassiert der Schlangenbeschwörer etwas Geld für das Einmal-Schlange-um-den-Hals-legen-mit-Foto. Für das Foto schleppen sich die Touristen ins Sonnenlicht, um gleich nach dem Knipser wieder zu Schatten und Drink zu eilen. Diese Szenen nach Klischee sind Gold wert. Nur mal sehen, daß es sie wirklich gibt! Eine geeignetere Kulisse als den Rambagh-Palast mit seinem Knusperhäuschen-Effekt kann man sich kaum für das Schauspiel vorstellen.

Unter ,,Stadtplanung“ wurde bereits einiges über das Aussehen der Altstadt gesagt. Der von Shudras, also von zumeist ärmeren Leuten bewohnte Westteil wird sehr selten von Touristen aufgesucht. Dort befinden sich nur wenige Geschäfte, sind die Häuser und Straßen schmutziger als in anderen Stadtteilen, aber es gibt auch kaum Autoverkehr. Das Leben scheint geruhsamer und ursprünglicher zu sein. Nur wenige Straßen sind asphaltiert, und viele alte Bäume blieben erhalten. Im Ostteil ist dagegen die Neuzeit auf dem Vormarsch. Längst wurden die Bürgersteige der 33m breiten Prachtstraßen zugunsten des Autoverkehrs verschmälert. Eine geeignetere Maßnahme, das Chaos zu entwirren, wäre sicherlich gewesen, die Altstadt völlig für Motorfahrzeuge zu sperren. So aber wird der Gang über die zu engen Bürgersteige der Chaura Rasta oder des Johari Bazar zu einem unangenehmen Erlebnis, auch wenn die Häuser noch so sehr für Unbequemlichkeiten entschädigen. Es kommt selten vor, daß Touristen von Kindern mit Steinen beworfen werden. Man mag sich bei der Stadtbesichtigung in ein Taxi zurückziehen oder zumindest auf die frühen Morgenstunden beschränken, wenn die Straßen noch wenig bevölkert sind und im übrigen auch sehr schönes Licht auf die rosafarbenen Häuser fällt. Den Anstrich erhielt die Stadt beim Staatsbesuch des Prince of Wales im Jahre 1876. In Vorwahlperioden werden die Häuser häufig mit blauen Propagandaschriften bepinselt. Danach ist dann ein Neuanstrich fällig.
Am Siredeori Bazar liegt das bekannteste Bauwerk Jaipurs, das fünfstöckige Hawa Mahal (Palast der Winde) aus dem 18. Jhdt. Berühmt wurde das Gebäude, weil seine 25 cm starke Fassade keine Wohnräume, sondern lediglich einige Galerien und Treppenaufgänge verbirgt. Es diente den Frauen der Maharajas als Empore, von der aus sie Prozessionen zuschauten, ohne selbst gesehen zu werden. Durch das Gitterwerk weht der stets erfrischende Ostwind in die Erker und Balkone des des Gebäudes. Durch ein Tor am Tripolia Bazar gelangt man zum Eingang des Hawa Mahal bzw. zu den Galerien und Höfen auf der Rückseite der Fassade. Von den oberen Stockwerken kann man die gesamte Stadt überblicken, immer wieder ein herrlicher Rastplatz, der auch bei halbzahmen Affenhorden beliebt ist.

Das Hawa Mahal gehört bereits zum Palastbezirk, der sich von hier nach Norden erstreckt. Die in diesen Bezirk eingeschlossenen Höfe werden von Behörden genutzt. Mit dem Bau des Stadtpalastes begann Jai Singh 1734. Nachfolgende Herrscher fügten Anbauten hinzu, die die Finanzkraft des Staates widerspiegeln. In den verschiedenen Palastteilen sind heute Textil-, Waffen- bzw. Kunstmuseen untergebracht.

Natürlich werden Sie auch zum Jantar Mantar, dem Observatorium des Jai Singh, begleitet. Zumindest bleiben uns ,,nice“-und ,,exciting“- Ausrufe erspart. Das Jantar Mantar will einem mit seinen überdimensionalen Meßinstrumenten zunächst nur als ein schöner Rastplatz erscheinen. Erst als man versucht, die Instrumente losgelöst von ihrer Funktion zu betrachten, fällt einem ihre eigenartige Mischung aus zugleich utopisch und archaisch anmutenden Elementen auf. Jai Singhs astronomische Theorien gehen von dem indischen Weltbild aus, nach dem die Erde das Zentrum des Universums ist. Er gab den Instrumenten (Sonnenuhren, Rechenmaschinen, Umrechnungstabellen, Geräte zum Anvisieren von Sternen) solch gigantische Ausmaße, weil er glaubte, damit eine größere Genauigkeit erreichen zu können als mit handlichen Metallinstrumenten. Bei der großen Sonnenuhr, dem Samrat Yantra, erreichte er jedoch genau das Gegenteil, weil der Schatten auf diese Distanz zu stark gestreut wird. Die Auffindung der Gestirne am Himmel und eine genaue Zeitbestimmung waren vor allem für die Erstellung von Horoskopen wichtig. In Indien wurden Astronomie und Astrologie stets als Einheit gesehen. Eine genaue Beschreibung der Yantras würde Kenntnisse über beide Wissensgebiete voraussetzen.

Interessenten erhalten beim Observatorium den ,,Guide to the Jaipur Astronomical Observatory“, eine recht gute Einführung, die auf den Forschungsergebnissen des Survey of India beruht. Auf die Fremdenführer, die die Sternwarte bevölkern, sollte man sich nicht verlassen, auch wenn sie beteuern, daß man ,,without guide” keine Erlabuniss zum Beusch bekommen würde.

Die beste Aussicht auf die Stadt hat man von der Festung Nahargarh. Für den Aufstieg benötigt man ca. 10 bis 15 Minuten. Die Festung ist noch sehr gut erhalten und bietet mit ihren ineinander verschachtelten Gebäuden überall Raum für eine ungestörte Erholungspause. Am Fuß des Festungshügels liegt Gaitor mit den Grabbauten der Maharajas.

Ausflug nach Amber:
Amber, der alten Hauptstadt des Kachwaha-Staates. Bei jedem Souvenirladen, von denen es an der Amber Road unzählige gibt, muß man dem öffentlichen Taxi Fahrer erneut einschärfen, daß man nichts zu kaufen gedächte und er nur weiterfahren solle. Da er gewöhnlich nach Abschluß solcher Souvenirgeschäfte von den dankbaren Ladeninhabern Prozente kassiert, nehmen die ablehnende Haltung der Touristen mit billterer Miene hin. Außerhalb des Stadtbezirks liegen rechts der Straße zunächst die Chhattris der Ranis von Jaipur. Ein Stück weiter folgt der Palast der Sisodia Rani, einer Tochter der Ranas von Mewar, die mit Jai Singh verheiratet war. Dann quält sich der Scooter / Auto einen Paß hinauf, von dessen Höhe man einen schönen Blick auf das Tal von Jaipur hat. Auch von Sisodia Ranis Palast, der abseits der Amber Road liegt, führt ein Weg hier herauf. In den frühen Stunden ist die frische Luft und der herrlichen Landschaft geniessbar als in der Mittagshitze.

Nach 11 km erreicht man Amber. Wir sind sogleich von dem Ort begeistert, obwohl er von Touristen völlig überlaufen ist (man sollte nie an Feiertagen nach Amber fahren). Sehenswert ist allein schon der Dilaram-Garten mit einem kleinen archäologischen Museum am Ufer des Masta-Sees. Der um 1600 begonnene Palast oberhalb des Sees weist mit seinen Moghulelementen interessantere Züge auf als der Palast in Jaipur. So hatte beispielsweise der Sukh Niwas einst eine gut funktionierende Wasserkühlungsanlage, wie sie von Moghulbauten bekannt ist. Noch weiter oberhalb des Sees liegt die Festung von Amber aus dem 10. Jhdt. Im heutigen Dorf, einem trotz des Tourismus recht geruhsamen Ort (die meisten Reisenden sehen sich nur kurz den Palast an und hecheln dann weiter), können noch einige Tempel besichtigt werden.

Es ist durchaus beachtlich, wieviele verschiedene Touristen-Charaktere sich in Amber treffen. Da gibt es zunächst jene Russen, die sich zu je vieren auf einem Elefantenrücken zum Palast hinauftragen lassen. Mit ihren Zeitungspapierhütchen und den farbigen Kindersonnenbrillen verkörpern sie jenen Typ deutscher Urlauber, der in den 50er Jahren Italiens Strände heimgesucht hat. Ganz nobel (aber ebenso verschwitzt) geben sich dagegen die Jet-Setter samt ihren Nachahmern. Dann sehen wir sogar ein pubertäres Liebespaar, das hingebungsvoll gemeinsam an einer Flasche Limonade nuckelt. Bei den indischen Touristen handelt es sich zum Teil um ahnungslos naive Dorfbewohner, zum Teil um frisier-und schuhcremeglänzende Großstadtsnobs. Einer von ihnen trägt seine Spiegelreflexkamera mit 500 mm Teleobjektiv spazieren. Er knipst bevorzugt seine Begleiter, die sich aber, damit ausreichender Abstand zu der überdimensionierten Linse erreicht wird, etliche Meter entfernt postieren müssen. Kurzum: der Tourismus in Amber ist eine eigene Sehenswürdigkeit.

Zur Mittagszeit ein Blick auf die Straße. Die Häuser der Altstadt-Bazare in Jaipur sind zumeist von alteingesessen Händlerfamilien bewohnt. Die Wohnräume mit Dachterrassen liegen gleich über den Geschäften im Erdgeschoß.

Nur eine Fassade. Vom Palast der Winde konnten die Maharanis von Jaipur den Umzügen auf der Prachtstraße Siredeori Bazar zuschauen, ohne selbst gesehen zu werden. Die Rückansicht des Hawa Mahal (oben) bietet ein optisches Verwirrspiel, das durch Galerien, Treppen und Reliefs erzeugt wird. Die verwendeten Formen und Ornamente werden in den Häusern der Altstadt wiederholt. Das heutige Straßenbild (rechts) läßt den einstigen Glanz der Bazare nur noch erahnen.

Stromausfälle sind Ehrensache. Gelassen nehmen die Mechaniker die unkonventionell verlegten Privatleitungen am Hochspannungsmast hin. Obwohl auch in der Wissenschaft der Einfluß des Kastenwesens in den Städten noch weitgehend ungeklärt ist, gab es doch einige Merkmale, die wir in unserem Zusammenhang als verbindlich ansehen konnten. Dies war vor allem die Vorausbestimmtheit des Berufes durch die Geburt in eine Kaste, sowie, daraus folgend, das Berufswechsels. Darüber hinaus existiert die Verantwortlichkeit des Einzelnen für die Kaste und der Kates für den Einzelnen, auch wenn dies für die Stadt nicht in so großem Maße zutreffen mag. Die Händler und die Geldverleiher gehören zur dritthöchsten Varna, zu den Vaishyas. Nicht dieser Stellung, sondern ihrer finanziellen Macht und ihrer Bildung verdanken sie ihr hohes Ansehen. Nach den Vorschriften der Shilpa Shastras, der indischen Architekturschriften, hat jede Varna, zum Teil auch jede Jati, einen festen Platz innerhalb der Stadt. Da jedoch nur wenige Städte planmäßig angelegt sind, findet man einen strenge Befolgung dieser Vorschriften nur in den seltensten Fällen. Dennoch gibt es überall Viertel, die von jeweils nur einer Jati, etwa von Silberschmieden oder von Töpfern, bewohnt sind.
 

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